Weiblich, Single, mittelalt, sucht ...

 

Eingetragen von
Georg Franz  [24.10.2004]

Weiblich, Single, mittelalt, sucht ...

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Über Hochzeiten und Taufen, noch unverkuppelt von den besten Freundinnen, die Qual der Wahl bei bauchfreien T-Shirts und die Freuden des Surfens.

Von Andrea Plank

Mutter: „Aber mach´ ja nicht denselben Fehler wie deine Tante!“

Achtundzwanzigjährige Tochter: „Wie?“

Mutter: „Na, die hat den Ersten geheiratet, nach einer gescheiterten Beziehung.“

Tochter: „Ah?“

Mutter: „Du weißt schon. Torschlusspanik und so. Dass sie keinen mehr abbekommt.“

Tochter: „So.“

Mutter: „Ja. So war das. Aber das waren auch noch ganz andere Zeiten. Außerdem schaust du noch jung aus.“

Tochter: „Mama, ich bin jung!“

Mutter: „Mhmm.“

So ist das also. Frisch getrennt im leicht angetrockneten Alter. Raus aus dem vorehelichen Verhältnis und rein in den girlieüberfüllten Singleumstand. Logisch gibt´s da haufenweise wichtigste Entscheidungen zu treffen. Na, Sie wissen schon: Wieviele bauchfreie Leibchen muß ich mir jetzt kaufen? Kann man wirklich den ganzen Abend lang den Bauch einziehen? Ist das Zufall oder Masche, daß man den oberen Sliprand unter den praktischen beigen Lifestylehosen mit den passenden bequemen Seitentaschen genau auf den runden Oberschenkeln hervorblitzen sieht? Haare lang, kurz, hoch, weg, bunt, gesprayt, gewaxt, gefönt?

Ehemalige Schulfreundin: „HALLO! Wie gehts dir denn? Wir haben uns ja schon ewig nicht mehr gesehen! Was machst du denn so? Bist du fertig mit dem Studium? Verheiratet? Kinder?“

Single: „Nö.“

Mordsanstrengend, dieses Singledasein. Da denkt man einfältig, man hat jetzt Ruhe, Ruhe, Ruhe – ahhh! – und dann dieser ständige Stress. Outfit, Image, Body. Und nicht zu vergessen, diese ständigen Kuppelversuche der besten Freundinnen. Je nachdem, mehr oder weniger auffällig und einfühlsam.

Erstbeste Freundin: „Was ist jetzt eigentlich mit dem Hannes?“

Zweitbeste Freundin: „Der ist schon wieder getrennt.“

Erstbeste Freundin: „Echt? Na, wäre der nichts für dich?“

Zweitbeste Freundin: „Ein bisserl klein ist er halt schon.“

Erstbeste Freundin: „Na geh, das macht ja heutzutage wirklich nichts mehr.“

Zweitbeste Freundin: Aber der, na, der, weißt schon, der mit dem knackigen Hintern, der...“

Erstbeste Freundin: „Peter? Der arbeitet zuviel und außerdem hat er etwas mit einer verheirateten Frau mit Kind.“

Zweitbeste Freundin: „Macht nichts. Ist sowieso nicht dein Typ, oder? Jetzt sag halt auch einmal was!“

Single: „Ja. Danke fürs Bier. Baba.“

Ein schöner Murks. Panik macht sich spätestens dann breit, wenn es nicht einmal bei großen Familienzusammenrottungen zwischenmenschlich funkt. Nichts geht also während man hoffnungsfroh bei Geburtstagen, Jahrestagen, Verlobungen, Hochzeiten und Taufen sitzt. Zu späterer Stunde und leicht angeheitert stellt man dann fest, dass die Anzahl der Gäste nur deshalb wieder gerade ist, weil es auch Senioren – Singles und minderjährige Kinder gibt, also Alleinstehende in der vorigen und nächsten Generation.

Single: „Ich wünsche euch das Allerbeste!“

Braut: „Danke. Du wirst sicher auch bald den Richtigen finden.“

Das geht doch runter wie Honig! In der Chronologie des unangekündigten Alleinseins werden sogleich die nächsten Jagdgebiete anvisiert. Die klassischen sind hier gemeint: Nachtleben – Arbeitsplatz – Fitneßstudio. Entschlüpft einem nicht inmitten allertiefsten Leids ein so herzhafter Lacher, daß man sich beinahe an der Tafel Schokolade verschluckt, wenn man in den allwöchentlichen Artikeln über die Brautpaare der Woche liest: „...haben sich vor zwei Jahren in der Disco kennengelernt.“? Also wirklich. Das glaubt ja wohl keiner.

Erstbeste Freundin: „Du musst halt mehr aus dem Haus gehen.“

Zweitbeste Freundin: „Ja, genau. Mehr machen, dich zeigen und sehen lassen.“

Erstbeste Freundin: „Apropos. Sei mir jetzt nicht bös, aber für bauchfrei, naja, das kann man echt den Sechzehnjährigen überlassen, wo noch alles straff und fest ist.“

Zweitbeste Freundin: „Du hast das wirklich nicht nötig, du mit deinen inneren Werten.“

In der überteuerten Single-Wohnung hat man zwar kaum ausreichend Platz, dafür aber genug Ruhe, Ruhe, Ruhe – ahhh – um sich die nächsten Schritte zu überlegen.

Single: „Ich könnte mich nackt auf den Hauptplatz stellen und brüllen ‚Wer will mich’. Ich könnte ein Inserat aufgeben ‚Weiblich, ledig, jung sucht ...’. Ich könnte ein Lebenshilfe-Buch schreiben. Ich könnte mehr Lebenshilfe-Bücher lesen. Ich könnte ...“

Ein Klopfen unterbricht die Gedankenschwemme. E-mail für dich! Könnte das jetzt der Traumprinz sein, den sie beim Surfen kennengelernt hat? Na, einen Mouseclick später sind wir sicher gescheiter.

Buchtipp: "Liebe, Sex und Illusionen"

2 Kommentare

03.08.2006

Männlich, Single, mittelalt

Von Johannes Haselberger [10:50:52]

Das zu lesen hat mich fröhlich gestimmt. Ich erlebe solche Situationen auch immer wieder.

Wie war Dein Treffen mit Petra gestern?
Wir waren essen.
Na und?
Was na und.
Na und weiter?
Nichts weiter, wir haben uns gut unterhalten.
Du solltest zum Arzt gehen.

Es ist interessant in welch kleinen Bereich sich die Gedanken der nicht Singels bewegen.

21.06.2005

Wsa geht hier ab

Von Stefan [19:32:30]

was macht ihr da Vater mutter streit

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